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Der Erlenbach bei Dürrn beheimatet seit vielen Jahren eines der seltenen Steinkrebsvorkommen im Regierungsbezirk Karlsruhe. Lange entzog er sich dem Blick der Öffentlichkeit, bis sein Vorkommen im Rahmen von Untersuchungen erstmals im Jahr 2019 wissenschaftlich bestätigt wurde. Um langfristig den Fortbestand der Art im Erlenbach zu sichern, wurden zum Schutz vor aufwandernden Signalkrebsen Anfang des Jahres zwei Krebssperren errichtet.
Heimische Krebsarten, zu denen neben dem Edel- und Dohlenkrebs auch der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) gehört, sind zentraler Bestandteil einer ursprünglichen, facettenreichen Gewässerfauna. Leider gehen ihre Bestände seit vielen Jahren kontinuierlich zurück. Waren es am Anfang vor allem Gewässerverunreinigungen und der Verbau der Gewässer, sind heute die Einschleppung und die Ausbreitung von nordamerikanischen Flusskrebsen die für ihren Rückgang maßgeblichen Faktoren. Ursächlich dafür ist, dass nordamerikanische Krebsarten Träger der Krebspest sind. Kommen heimische Krebsarten, wie der Steinkrebs, mit diesem Erreger in Kontakt, führt dies unwiderruflich zum Auslöschen des gesamten Krebsbestandes. Der Steinkrebs gehört daher in Baden-Württemberg zu den stark gefährdeten Arten, der nach europäischem Recht in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH RL) im Anhang II als prioritäre Art eingestuft wird.
Vor einigen Jahren wurde illegal der nicht heimische Signalkrebs in den Erlenbach eingebracht. Diese Art zählt zu den nordamerikanischen Krebsen und ist ebenfalls Träger der Krebspest. Wie in vielen anderen Gewässern konnte sich der Signalkrebs auch im Erlenbach in den vergangenen Jahren stark ausbreiten und stellt somit eine große Gefährdung des vorhandenen Steinkrebsbestandes dar, da es bei einem Kontakt der beiden Arten zwangsläufig zu einem vollständigen Auslöschen des Steinkrebsbestandes kommt. Zur Sicherstellung eines langfristigen Schutzes der Steinkrebse ist daher der Bau von Krebssperren erforderlich. Im Erlenbach wurden 2026 zwei Krebssperren errichtet, die eine weitere Aufwanderung der bachabwärts nicht weit entfernt vorhandenen Signalkrebse unterbinden. Dabei erhöht der Bau von zwei Sperren zum einen die biologische Sicherheit und schafft zum anderen die Voraussetzung für eine Überwachung und ein ggf. erforderliches Eingreifen im dazwischenliegenden Bachabschnitt. Zur Sicherstellung eines langfristigen Schutzes wird die weitere Entwicklung des Steinkrebsbestandes durch ein Monitoring begleitet.
Aber nicht nur einwandernde Signalkrebse können die Krebspest auf Steinkrebse übertragen. Dies ist auch über sogenannte „Überträger“ möglich, die mit dem Erlenbach unterhalb der Krebssperren in Kontakt kommen und anschließend in den Erlenbach oberhalb der Sperren gelangen. Dazu gehören beispielsweise Gummistiefel und andere Gerätschaften sowie Hunde, die im Gewässer baden. An den feuchten Gegenständen oder Tieren bleiben die Krankheitserreger hängen und werden bachaufwärts über die Sperren in den sensiblen Lebensraum der Steinkrebse eingetragen. Dies verursacht den sicheren Tod der Tiere.
Neben dem Steinkrebs weist der Erlenbach mit der Fischart Strömer und dem Bachmuschelvorkommen weitere, ebenfalls streng geschützte FFH-Arten auf, die beide nur im Mittel- und Unterlauf des Erlenbaches vorkommen. Der Erlenbach ist somit ein „Hotspot der Biodiversität“ in der Region. Daher bitten wir im Interesse der vorkommenden Strömer, Steinkrebse und Bachmuscheln alle Besucher im und am Erlenbach, unbedingt auf eine Bachwanderung bzw. ein Bad im Erlenbach zu verzichten.
Finanziert und fachlich koordiniert wurde der Bau der Krebssperren vom Regierungspräsidium Karlsruhe (Referat 56 Naturschutz und Referat 33 Fischereibehörde). Die Gemeinde Ölbronn-Dürrn unterhält die beiden Sperren, damit diese funktionsfähig bleiben.